Indonesien

Tanimbars bis Flores

Flores ist Malaria-Hochgebiet. Die Einheimischen betrachten die Krankheit aber als wiederkehrendes Übel. Panisch seien nur die Europäer, sagen sie uns. Die deutsche Schwester Revokata, die seit 50 Jahren hier ist, hat sich auf die alten Heilmittel der Naturvölker spezialisiert. Wir sind absolut beeindruckt von ihrer kleinen Praxis-Apotheke neben dem Hospital und ärgern uns wieder einmal, dass wir den Fotoapparat nicht dabei haben. Vorne wird die Medizin verkauft, hinten sitzen etwa zehn Leute am Boden, verpacken die Medizin und kleben Zettel auf die Flaschen. Feinsäuberlich in Pillenkapseln abgefüllt gibt es Malaria-Medizin aus der Natur, für Kinder und Erwachsene. Sie wird im Krankenhaus erfolgreich eingesetzt, sagt man uns. Wir decken uns damit ein.

Mit Kartons voller Früchte verabschieden uns die Schwestern. Sr. Edfriede und Sr. Elisabeth begleiten uns. Sie steigen mutig ins Dinghy und fahren zum ersten Mal in ihrem Leben auf ein Segelboot. Warum? Sie konnten sich nicht vorstellen, dass man auf einem Boot leben kann, sagt uns Sr. Edfriede. Wir haben sie hoffentlich überzeugt.

28. September 2007 - Saumlaki, Yamdena, Tanimbar Islands. Asien, wir sind da. Auf der Suche nach einem Ankerplatz setzen wir die „Verena“ fast auf Land. Alfred legt gerade noch rechtzeitig den Rückwärtsgang ein. Schließlich liegen wir sicher auf gut 20 m. Generator an, Spiegeleier in die Pfanne - alle freuen sich auf ein gutes Frühstück. Doch daraus soll nichts werden. Health Officer Isak kommt mit dem Dolmetscher Mathias an Bord. Isak lässt sich von Steffie durchs Boot führen und untersucht die diversen Schränke. Wir wissen bereits von seiner Vorliebe für eine Flasche Whiskey und stellen diese parat. Doch so billig sollen wir nicht davon kommen. Nachteil der Schiffsgröße, vermutlich. Nach zähen Verhandlungen von 100 auf 30 Dollar und einem T-Shirt ist er zufrieden. Der Hafenmeister  ist mit einer Kopie der Ausklarierungs-bescheinigung von PNG zufrieden, so geht es also auch.

Mathias fungiert für etwa 30 Euro 2 Tage lang als unser Guide. Wir fahren zu einer Palmschnapps-Distillerie und zu einem Schnitzer-Dorf. Anschließend gehen wir auf den Markt und essen unser erstes Nasi Goreng. Überall treffen wir auf freundliche Menschen, viele zücken ihr Foto-Handy. Unsere Kinder sind das Objekt der Begierde. Einheimische Frauen lassen sich mit ihnen fotografieren, sie streichen über ihre Haare, streicheln ihre Haut, eine Frau füttert Isabell und Kilian mit Erdnüssen und kann sich gar nicht mehr trennen. Später, in Flores, erklärt uns Pater Heinrich warum: Alle Puppen seien hier europäisch. Unsere Kinder werden also als lebendige Puppen gesehen, na wunderbar.

27. September 2007 - Wir hatten eine gemächliche Überfahrt. Die geplanten Stopps in der Torres Straße ließen wir aus, da wir mit 15 bis 20 Kn Wind ideale Segelbedingungen hatten. Die Durchfahrt ist gut betonnt und lässt sich auch nachts problemlos bewältigen. Als dann aber etwa 40 nm hinter der letzten Passage in der Torres Straße der Wind nachließ, entschlossen wir uns zu einer Rast. Mitten im nur gut 20 m tiefen Meer ließen wir den Anker fallen und genossen eine Nacht ohne Wache. Am nächsten Morgen wollten wir nach einem schönen Frühstück weiter. Anna öffnet die Luke im Salon und ein Weckruf ertönt durchs Boot: „A bat, a bat!“ Völlig entgeistert deutet sie auf den Boden. Und tatsächlich plumpste uns eine Fledermaus bzw. ein Flughund vor die Füße.

Alfred: „Also dieses Tier habe ich hier am wenigsten erwartet.“ Das interessierte den Flughund aber wenig, er wollte gleich in die dunklen Kajüten - unglücklicherweise stand Kilian im Weg und bekam einen Kratzer ab. Während wir also noch diskutierten, was wir mit unserem neuen Reisegefährten anstellen sollten, wurden wir in der Funkrunde von einem gefährlichen Virus gewarnt, den die Tiere in sich tragen. Entwarnung kam dann Gott sei Dank von Tropenmediziner Stephan (SY Mimpi Manis) aus Isen, da es sich nur um einen Kratzer handelte. Dem kleinen Kerl war das alles ziemlich egal und schließlich hängte er sich ans Steuerrad und beäugte uns neugierig und immer weniger scheu beim Frühstücken im Cockpit. Die vielen Parasiten und Spinnen in seinem Fell sowie die mögliche Tollwut- und Virengefahr bewogen uns dann doch, ihn wieder ins Weite zu befördern sprich: Er musste wieder nach Hause fliegen.

 

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